Die
katholische Herz Jesu Kirche
Seit dem Jahre 1905 strebt der 68,5 Meter hohe Kirchturm der katholischen Herz
Jesu Kirche sein mit Patina überzogenes Kupferdach dominant in den Striesener
Himmel. Die Gründerzeit lockte im ausgehenden 19. Jahrhundert immer mehr
Menschen nach Dresden, die sich auch in Johannstadt und Striesen niederließen.
Darunter befanden sich auch eine erhebliche Anzahl Menschen katholischen
Glaubens, welche seelsorgerisch von der damaligen Katholischen Hofkirche betreut
wurde. Nun ist der Weg von Striesen bis zum Dresdner Schlossplatz ja ziemlich
immens und ihn nur zum Kirchgang zu gehen, da mag wohl manch einer nicht die
rechte Lust gehabt haben. Im Jahre 1896 wurde Abhilfe geschaffen, in der
katholischen Bezirksschule an der Schumannstraße wurde eine Kapelle geweiht.
Allerdings bot selbige nur 200 Menschen Platz und das für nahezu 7000 Katholiken
in den östliche Vororten Dresdens, der Gottesdienst muss also auch nicht gerade
das erbauliche Vergnügen gewesen sein. Im Jahre 1900 erwarb die katholische
Gemeinde das Grundstück Borsbergstraße 15/17, auf dem sich einst eine Gärtnerei
befand zu recht günstigen Konditionen und der Wunsch nach einer eigenen und vor
allem in ihrer Größe ausreichenden Kirche rückte in greifbare Nähe. Als
Architekt konnte der Berliner Regierungsbaumeister August Menken gewonnen werden
und am 4. November des Jahres 1903 wurde der Grundstein zum Gotteshaus gelegt.
aber es war auch in der damaligen Zeit so wie heute, das nötige Kleingeld war
ziemlich knapp und so geriet der Bau ins Stocken. Es entstand der Altarraum und
eine verkürzte Ausführung des Kirchenschiffes. Das noch heute stehende kleine
Treppentürmchen diente als vertikale Dominante und dem Zugang zum Dachboden.
Doch es kam Hilfe. Eine gewisse Veronika Fischer, der Zufall führt zur
Namensgleichheit mit der im Dresden der DDR Zeit studierende Rocksängerin, die
ja zu dieser Zeit noch gar nicht lebte, Frau Fischer war ihres Zeichens
Landesälteste der Johannstädter Gemeinde, spendete die damals sehr erhebliche
Summe von 200.000 Mark. Nun konnte der Bau fortgesetzt werden. Das Langhaus
entstand in der vorgesehenen Länge und auch der fast 70 Meter hohe Glockenturm
konnte errichtet werden.
Am
26. November 1905, also ganze zwei Jahre nach Grundsteinlegung, wurde in der
Gemeinde der große Tag begangen, die Kirche wurde durch den damaligen Bischof
Dr. Wuschanski geweiht. Allerdings war der Innenausbau noch nicht ganz fertig
gestellt, es fehlte eigentlich noch die gesamte Inneneinrichtung. Selbst der
Hauptaltar war noch nicht vollendet und erst nach einen wiederholten Griff in
Vronis Geldschatulle konnte man an die Errichtung der Königin der Instrumente
denken, die ja unbedingt in eine Kirche gehört, so es nicht ein orthodoxes
Gotteshaus ist. Im Jahre 1913 verstarb dann allerdings die große Wohltäterin,
bestattet ist sie auf dem Johannisfriedhof in Dresden Tolkewitz. Apropos Orgel.
37 Register, 3 Manuale und Pedal besitzt das gewaltige Instrument, eingesetzt in
einen mit Engelfiguren verzierten Rahmen und über die ganze Emporen eingebaut.
Die noch heute in Dresden ansässige renommierte Orgelbaufirma Gebrüder Jehmlich
schuf das Werk im Jahre 1909 und nahm auch eine große Renovierung 71 Jahre
später vor.
Begeben
wir uns nun durch das Hauptportal in das Kircheninnere. Wir durchschreiten die
Vorhalle und betreten durch das geöffnete Ziergitter das 42 Meter lange
Kirchenschiff. Wohltuende Stille empfängt uns, der Lärm der Borsbergstraße liegt
hinter uns. Gewaltig sieht die Halle schon aus mit ihrer 18 Meter Breite, misst
man den linken und rechten Flügel mit, sind es gar 25 Meter. Unwillkürlich
wendet sich unser Blick nach oben, in 17 Meter Höhe laufen die Strebepfeiler
zusammen. Durch die, nach dem zweiten Weltkrieg in den Jahren 1950 bis 1955
erneuerten Kirchenfenster fällt farbiges Licht in den Innenraum und malt auf das
Eichengestühl mal gelbe, mal rote Farbtupfer. Apropos Weltkrieg. Wie wohl jede
Kirche, so musste auch diese "Federn" lassen. Es waren die Glocken und die
großen zinnernen Pfeifen der Orgel. Und doch kam die Kirche im Bombenhagel
glimpflich davon, Schäden am Dach und die zersprungenen Fenster waren
glücklicherweise die einzigen größeren Beschädigungen. Nicht so glimpflich weg
kam die benachbarte Gemeinde der Erlöser Andreas Kirche, deren Haus am
Stephanienplatz versank in Schutt und Asche und so war sie von 1945 bis 1957
Gast in der Herz Jesu Kirche.
Und wer in Striesen kennt nicht das neue Geläut dieser Kirche? Meines Erachtens
ist das Vollgeläut das schönste nach dem der Kreuzkirche und der Kathedrale. In
H-Dur, ich persönlich empfinde diese Tonart als warm und angenehm, schwingen die
vier Glocken ihre Botschaft in die Welt. Die größte Glocke, in h gestimmt, war
eigentlich für den französischen Dom in Berlin bestimmt und wurde schon im Jahre
1986 im damaligen VEB Glockengießerei Apolda gegossen. Angepaßt wurden die drei
anderen Glocken, die Königsglocke in dis, die Maria Dolorosa Glocke in fis und
die kleinste Glocke in gis. Die einst provisorisch aufgehangene Glocke der
zerstörten Erlöser Andreas Kirche passte nicht mehr in das Geläut und wurde der
Gemeinde eines Dresdner Vorortes, Kleinzschachwitz, überlassen.
Wenn Du einige Minuten Geduld hat, so kannst Du mit dem folgenden Link Dir den
Klang des Vollgeläutes dieser Kirche herunterladen und dir als wav.Datei
anhören.

Fenster über dem Eingang
Betrachte mit mir noch einige Fotos von und aus dieser Kirche oder besuche sie selbst einmal. Sowohl zu den Gottesdiensten als auch Mittwochs von 15:00 bis 17:00 Uhr steht sie sowohl zur Besichtigung als auch zur Besinnung und zum Gebet offen.

Engelfigur am Haupteingang

Haupteingang und Apsis der Kirche

Durchgang von der Eingangshalle zum Kirchenschiff und Kanzel

Blick über das Gestühl zum Eingang und Orgelempore und farbige Lichtspiele auf
dem Gestühl

Der Altar der Herz Jesu Kirche
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